Hui Chun Gong - Verjüngungsübung

Der daoistische Gedanke von Laozi entstand vor 2500 Jahren, sein Werk heißt „Daodejing“. Die erste daoistische Religion „Wu Dou Mi Jiao“ wurde 136 von Zhang Daoling in der Provinz Sichuan gegründet. Später wurden zwei große Schulen entwickelt: Quan Zhen Dao und Zheng Yi Dao. Wang Chongyang (1121 – 1170) war der Begründer des Quan Zhen Dao. Er hatte sieben berühmte Schüler: Ma Danyang (1123 – 1183), Tan Chuduan (1123 – 1183), Liu Chuxuan (1147 – 1203), Qiu Chuji (1148 – 1227), Wang Chuyi (1142 – 1217), Hao Datong (1140 – 1212), Sun Buer (1119 – 1182). Sie haben in der chinesischen und daoistischen Geschichte eine große Rolle gespielt und wesentliche Beiträge zur Verbreitung der daoistischen Religion geleistet.

Hao Datong entwickelte die Hua Shan Schule und zu dieser gehört Hui Chun Gong. Der ganze Name des Hui Chun Gong lautet übersetzt: „Die heimlich überlieferte daoistische Kunst zur Lebenspflege und zur Langlebigkeit“. Hui Chun Gong wurde früher nur unter Daoisten praktiziert und später in den Kaiserfamilien ausgeübt. Das einfache Volk kannte Hui Chun Gong nicht.

In den 1980er Jahren lebten noch zwei Erben der 19. Generation des Hui Chun Gong, und zwar der Daoist Min Zhiting, höchster Repräsentant der daoistischen Religion Chinas, und Herr Bian Zhizhong. Herr Bian stammte aus der Provinz Shandong und lebte lange in Beijing bis zu seinem Tod. Er kannte Hui Chun Gong als einen sehr großen Schatz der chinesischen Kultur und entschloss sich, diese Lehre zu veröffentlichen (bis dahin gab es nur die mündliche Überlieferung). Min Zhiting war damit einverstanden. Im Jahr 1982 machte Bian Zhizhong eine Übung des Hui Chun Gong in Hongkong in der Zeitung „Horizont“ zum ersten Mal der Welt bekannt. Für China und die ganze Welt war das eine Sache von großer Bedeutung.

1988 wurde sein Buch „Die heimlich übertragene daoistische Kunst Chinas zur Lebenspflege und zur Langlebigkeit - Übungen von Bian“ in Beijing herausgegeben. Bian Zhizhong gab in Beijing Kurse, zuerst für ältere Leute. Die Wirkungen zum Beispiel gegen Bluthochdruck, gegen Diabetes, gegen Übergewicht, gegen Sexstörung waren so beeindruckend, dass dies große Aufmerksamkeit erregte.

Hui Chun Gong fußt auf der chinesischen Philosophie und der Theorie der TCM. Die medizinischen Spezialisten sind davon überzeugt, dass die Übungen des Hui Chun Gong in ihrer positiven Wirkung einzigartig sind und deshalb Verbreitung verdienen.

Hui Chun Gong heißt wörtlich übersetzt „Übungen der Rückkehr des Frühlings“, eine sinngemäße Übersetzung ist „Verjüngungsübungen“. Die Vorstellung der Jugendlichkeit spielt eine große Rolle beim Hui Chun Gong. Sie ist eine fundamentale Grundlage jeder Übung. Die Vorstellung hilft den Übenden, Nebengedanken zu beseitigen und sich auf die Übung zu konzentrieren. Die Vorstellung kann gute Laune bringen, damit wird die beabsichtigte Wirkung erreicht.

Der Schwerpunkt beim Hui Chun Gong liegt auf dem Bereich Xiadan (unteres Elixierfeld). Nach der TCM ist dieser Bereich mit dem Organnetzwerk „Niere“ verbunden. In den Nieren liegt der angeborene Ursprung des Lebens, unserer Lebenskraft. Wenn die Nieren schwach sind, wird die Lebensqualität beeinträchtigt. Im Xiadan befindet sich unter anderem das Geschlechtsdrüsensystem; die moderne Medizin meint, dass die Geschlechtshormone eine wichtige Rolle beim Wachstum und Erhalten der Organfunktionen spielen. Die Daoisten achten sehr auf die Nieren. Durch die verschiedenen Bewegungen wie etwa leichtes Pressen, Schütteln, Reiben, Drehen wird die Hormonausschüttung reguliert, die Geschlechtshormone nehmen zu. Die Stärkung des Geschlechtsdrüsensystems führt zu physiologischen Änderungen im Körper und stärkt die Lebenskraft.

 

Die Wirbelsäule mobilisieren

Eine andere Besonderheit des Hui Chun Gong sind die Bewegungen der Wirbelsäule in alle Richtungen. Allein in stehender Haltung gibt es über zehn verschiedene Positionen, die die Wirbelsäule vielseitig durch spiralige, pendelnde, drehende oder dehnende Bewegungen mobilisieren. Die Wirbelsäule ist im Alltag, besonders beim Sport und bei körperlicher Arbeit (sowie durch ungünstige Haltungen etwa bei Bildschirmarbeit) extremen Belastungen ausgesetzt. Die Folge davon sind verschiedene Beschwerden der Wirbelsäule.

Daoisten haben lange Zeit in der Natur beobachtet, wie sich Tiere im Alltag bewegen. Die meisten Tiere laufen auf vier Beinen, ihre Körperhaltung ist ganz anders als beim Menschen und man ahmt ihre Bewegungen nach, zum Beispiel in der kriechenden und der rollenden Form, um die Wirbelsäule in alle möglichen Richtungen in Bewegung zu bringen. Durch die vielseitigen Bewegungen werden die Muskeln, Bänder und Bandscheiben von Qi und Xue (Blut) gut ernährt. In der TCM sagt man, wenn das Qi gut durch die Meridiane fließt, hat man keine Krankheiten mehr.

Die Basis des Hui Chun Gong ist die stehende Form, sie besteht aus 24 Übungen. Alle sollen mit dieser stehenden Form anfangen zu lernen. Man kann je nach der eigenen gesundheitlichen Verfassung täglich einige davon üben und die Wirkung ist außerordentlich.

Das ganze System des Hui Chun Gong hat neun Formen (Methoden):

1. Pflegende Übung des Gesichts

2. Stehende Form (24 Übungen, einfach und vertieft)

3. Sitzende Form (einfach und vertieft)

4. Liegende Form (einfach und vertieft)

5. Rollende Form

6. Kriechende Form

7. Hockende Form

8. Kniende Form

9. Stille Form(Xu Jing Dan Dao Gong)

Bian Zhizhong hat in seinem Buch nur drei Formen (stehend, sitzend und liegend) und 22 Übungen veröffentlicht. Die meisten davon sind die einfachen Formen. Sie sind für Anfänger leicht zu erlernen. Von seinem Buch sind zwölf Übungen ins Deutsche übersetzt und unter dem Titel „Daoistische Übungen für die Gesundheit“ veröffentlicht worden.

Die Hauptwirkungen des Hui Chun Gong sind:

·       „Fröhlich die Jugend imaginieren“:
Die positive Vorstellung (Yi Nian) stärkt das Immunsystem.

·        Die Lungenkapazität wird gesteigert:
Beim Hui Chun Gong gibt es fünf Atmungsarten, durch die die Atmung vertieft und mehr Sauerstoff aufgenommen werden kann.

·       Das Gelenksystem wird gestärkt:
Die Beweglichkeit der Gelenke wird verbessert, der Körper wird geschmeidiger. Osteoporose kann vorgebeugt werden.

·       Die Meridiane (Jing Luo) werden durchlässig gemacht.

·  Die Kreislaufregulation wird verbessert, der Blutfluss wird angeregt.

·   Das Verdauungssystem wird verbessert, die Organe werden sanft massiert, so werden die Organfunktionen gestärkt.

·       Das Hormonsystem wird reguliert.

     ·       Die Nierenfunktion wird gestärkt und damit die Vitalität

    verbessert.